Ratgeber

llms.txt im Onlineshop: was Shopify automatisch anlegt — und welchen Produkttext KI-Agenten wirklich lesen

20. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Ein leeres, aufgestelltes Papierkärtchen vor drei ausgedruckten Blättern — einer Webseite, einem Blatt mit Quelltext-Zeilen und einem Textblatt —, daneben ein blauer Faden, ein blauer Häkchen-Stempelabdruck und ein Füllfederhalter

Jeder der elf Shops aus unserer Studie über Produkttexte hat eine llms.txt. Keiner hat sie geschrieben. Und zwischen unserer Messung im September und dem 16. Oktober 2026 hat sie sich in allen elf Shops gleichzeitig geändert, ohne dass einer der Shops etwas dazu getan hat.

Das sagt schon fast alles über die Datei. Was sie ist, was Shopify hineinschreibt und wohin sie KI-Agenten schickt, steht hier. Und was die Agenten dort vorfinden, haben wir auf 456 Produktseiten gemessen.

Was llms.txt ist und was nicht

Die llms.txt ist ein Vorschlag von Jeremy Howard, veröffentlicht am 3. September 2024 auf llmstxt.org. Die Idee: Eine Markdown-Datei unter /llms.txt fasst eine Website so zusammen, dass ein Sprachmodell schnell findet, was es braucht, ohne sich durch Navigation, Werbung und Skripte zu arbeiten. Die Seite selbst nennt das „a proposal to standardise“, einen Vorschlag zur Standardisierung.

Zwei Dinge ist die Datei nicht:

  • Keine Steuerung wie die robots.txt. Sie erlaubt und verbietet nichts. Wer KI-Crawler zulassen oder aussperren will, tut das weiter in der robots.txt. OpenAI etwa beschreibt in seiner Übersicht der eigenen Crawler die robots.txt als Steuerung, von der llms.txt als Signal für die Crawler ist dort keine Rede.
  • Kein Rankingfaktor bei Google. Google schreibt in seinem Leitfaden zu KI-Funktionen in der Suche (Stand 10. Juli 2026), dass die Google-Suche llms.txt-Dateien ignoriert. Sie schaden nicht und helfen nicht.

Einen großen Anbieter von KI-Suche, der dokumentiert, dass sein Crawler die llms.txt liest und danach handelt, haben wir nicht gefunden. Das heißt nicht, dass niemand sie liest. Es heißt: Worauf sich jemand verlassen kann, ist sie nicht.

Was Shopify in jedem Shop anlegt

Ruft man /llms.txt bei den elf Shops ab (16. Oktober 2026), kommt elfmal dieselbe Datei zurück, 76 Zeilen, unterschiedlich nur in Shopnamen, Adressen und den Namen der Rechtsseiten. Kein Shop hat einen eigenen Satz hineingeschrieben.

Die Datei richtet sich an Einkaufs-Agenten, also an KI-Assistenten, die im Auftrag eines Menschen suchen, einen Warenkorb füllen und bezahlen. Sie erklärt ihnen:

  • wie sie über Shopifys Einkaufswerkzeuge suchen, Warenkörbe anlegen und zur Kasse gehen (über das „Universal Commerce Protocol“, eine Schnittstelle für Agenten),
  • welche Regeln dabei gelten: bestellen nur mit Zustimmung des Käufers, als Agent erkennbar sein, bei zu vielen Anfragen warten,
  • dass sie die öffentlichen Seiten lesen dürfen: Sitemap, Kollektionen und Produktseiten unter /products/{handle},
  • wo die Rechtsseiten des Shops liegen.

Am Ende wirbt sie für Shopify selbst. Über die Produkte des Shops steht darin kein Wort. Die Datei enthält auch Aufforderungen an Agenten, etwa eine Erweiterung zu installieren. Wir haben sie als Daten gelesen, nicht befolgt.

Die Datei ändert sich ohne dich. Bei unserer Messung am 24. September 2026 war sie 88 Zeilen lang und schickte Agenten für Produktinformationen auf den Produkt-Export /products/{handle}.json. Am 16. Oktober verweist sie nicht mehr darauf, sondern auf die Einkaufswerkzeuge und die HTML-Produktseiten. Shopify nennt inzwischen /agents.md die eigentliche Datei, die llms.txt ist eine Kopie davon.

Kannst du sie ersetzen? Ja. Seit dem 28. Mai 2026 geht das über eine Vorlage im Theme: templates/llms.txt.liquid ersetzt die llms.txt, templates/agents.md.liquid die agents.md und, wenn es keine eigene llms.txt-Vorlage gibt, auch die llms.txt. In diesen Vorlagen stehen laut Shopify-Dokumentation nur zwei Datenobjekte zur Verfügung, die üblichen Shop- und Kollektionsdaten gehören nicht dazu. Keiner der elf Shops nutzt das. Und weil Google die Datei ignoriert und andere nicht dokumentieren, was sie damit tun, wäre eine eigene llms.txt bei uns nicht die erste Aufgabe.

Welchen Produkttext Agenten wirklich lesen

Folgt ein Agent der Datei, gibt es zwei Wege zu deinem Produkttext.

Über die Einkaufswerkzeuge. Die Katalog-Schnittstelle des Shops liefert nach Shopifys Dokumentation Titel, Beschreibung, Preis, Bilder und Varianten. Die Beschreibung kommt als HTML, und nach allem, was die Dokumentation zeigt, ist das das Beschreibungsfeld deines Produkts im Shopify-Admin, dasselbe Feld, das im Produkt-Export als body_html steht. Für Shopifys shopübergreifenden Katalog geht Shopify noch weiter: Dort ist die Beschreibung als „inferred“ markiert, von Shopify erzeugt oder angereichert, aus deinen Produktdaten.

Über die Produktseite. Dann liest der Agent das HTML, das dein Server ausliefert. Was erst im Browser nachgeladen wird, sieht ein Crawler ohne JavaScript nicht. Warum das bei KI-Crawlern zählt, steht in unserem Artikel über SEO-Produktbeschreibungen.

Beide Wege führen also zu deinem Text, aber nicht unbedingt zum selben. Das Beschreibungsfeld ist die Quelle für den einen, die sichtbare Seite für den anderen. Ob die beiden übereinstimmen, haben wir gemessen.

456 Produktseiten: wie oft der Katalogtext auf der Seite steht

Die Messung: dieselben elf Shops, bis zu 50 Produktseiten je Shop (jedes n-te Produkt mit mindestens 15 Wörtern Beschreibung), abgerufen am 2. Oktober 2026. 466 Seiten, 456 davon erreichbar. Gelesen haben wir das ausgelieferte HTML ohne JavaScript und gezählt, wie viel vom Beschreibungsfeld darin wiederkehrt. Die Shops nennen wir nicht.

Katalogtext im ausgelieferten HTML Seiten (von 456) Anteil
vollständig sichtbar 244 54 %
teilweise sichtbar 88 19 %
kaum oder gar nicht sichtbar 124 27 %

Bei unserer ersten Messung mit 103 Seiten im September war das Bild ähnlich, 61 vollständig und 26 kaum sichtbar. Es hält also auch auf der vierfachen Menge.

Entscheidend ist der Shop, nicht das Produkt. In fünf der elf Shops steht der Katalogtext auf mindestens 95 Prozent der Seiten vollständig im HTML. In zwei Shops ist er auf den meisten Seiten kaum zu sehen. Die Ursachen kennen wir aus der ersten Messung, sie tauchen hier wieder auf: ein Werbesatz im Beschreibungsfeld, während der Text für Besucher aus anderen Feldern kommt; sichtbare Textbausteine, während der eigentliche Produkttext nur in den strukturierten Daten steht; eine Werbezeile statt einer Beschreibung in den strukturierten Daten.

Strukturierte Daten nach schema.org lieferten zehn der elf Shops auf 365 der 456 Seiten aus. Bild auf allen 365, GTIN auf 254, eine Durchschnittsbewertung auf 165, Gewicht auf 43, Farbe auf 22. Material, Größe, Versand- und Rückgabebedingungen: auf keiner der 365 Seiten. Und auf 37 dieser Seiten enthält die Beschreibung in den strukturierten Daten weniger als 30 Prozent des Katalogtexts.

Alle Zahlen gelten für den 2. Oktober 2026. Shops ändern ihre Themes, Shopify ändert seine Dateien. Seit September liefert zum Beispiel ein Shop auf einigen Seiten erstmals Produktdaten aus, ein anderer zeigt jetzt Bewertungen. Wer eine solche Zahl zitiert, braucht das Datum dazu.

Was du in deinem Shop tun kannst

  1. Ruf deine llms.txt auf. Beginnt sie mit „Agent Instructions“ und kommt dein Shopname nur in der Überschrift und den Adressen vor, ist es die Datei von Shopify. Das ist in Ordnung. Ersetzen musst du sie nicht.
  2. Öffne den Produkt-Export einer Produktseite: die Adresse mit .json am Ende, zum Beispiel /products/name.json. Das Feld body_html ist dein Beschreibungsfeld. Steht darin dein Produkttext oder ein Werbesatz? Ist es derselbe Text, den Besucher sehen?
  3. Such im Quelltext der Seite (Strg+U bzw. ⌥⌘U) nach dem ersten und dem letzten Satz der Beschreibung. Fehlt einer, liest ein Agent auf der Seite einen anderen Text als über die Einkaufswerkzeuge.
  4. Halte das Beschreibungsfeld für den echten Produkttext frei. Werbesätze, Aufrufe zum Kauf und Theme-Bausteine gehören nicht hinein. Wenn dein Theme Text aus anderen Feldern zeigt, sollte das Beschreibungsfeld trotzdem die vollständige Beschreibung enthalten. Und was darin steht, muss stimmen: Unbelegte Werbeaussagen im Beschreibungsfeld landen ungefiltert bei jedem Agenten.
  5. Prüf die strukturierten Daten mit dem Test für Rich-Suchergebnisse von Google: Ist die Beschreibung dort ein Produkttext? Fehlen Angaben, die für dein Produkt zählen, etwa Material oder Größe, steht das meist am Theme oder an der App, die die Daten erzeugt.
  6. Schreib dir das Datum auf. Wiederhole die Prüfung nach jedem Theme-Update. Die llms.txt hat sich in elf Shops geändert, ohne dass einer davon etwas getan hat.

Was davon im Text selbst liegt, prüfen wir: ob die Beschreibung den Produkttyp nennt, ob sie suchoptimiert ist und ob jede Angabe zu deinen Produktdaten passt. Wie das aussieht, zeigt das Protokoll.

Lass 20 deiner Texte kostenlos prüfen — du bekommst für jeden Text ein Protokoll mit Zitat und Begründung, bevor ein Agent ihn liest.

Häufige Fragen

Was ist eine llms.txt?

Eine Textdatei im Markdown-Format unter /llms.txt, die Sprachmodellen eine kurze Übersicht über eine Website geben soll. Vorgeschlagen hat sie Jeremy Howard im September 2024 auf llmstxt.org. Sie ist ein Vorschlag, kein Standard, und sie regelt nichts: Anders als die robots.txt erlaubt oder verbietet sie keinem Crawler etwas.

Brauche ich als Shopify-Händler eine eigene llms.txt?

In der Regel nicht. Shopify legt die Datei in jedem Shop selbst an und hält sie aktuell. Seit Mai 2026 kannst du sie über eine Vorlage im Theme ersetzen (llms.txt.liquid oder agents.md.liquid). Für die Google-Suche bringt das nichts, Google ignoriert die Datei. Wichtiger ist, dass der Produkttext, zu dem sie Agenten schickt, stimmt.

Welchen Produkttext lesen KI-Agenten in einem Shopify-Shop?

Je nach Weg einen anderen. Über Shopifys Einkaufswerkzeuge bekommen sie die Beschreibung aus dem Katalog, auf der Produktseite den Text, den der Server ausliefert. Stehen Teile deines Produkttexts nur in Theme-Bausteinen oder werden erst im Browser nachgeladen, bekommen Agenten je nach Weg verschiedene Texte für dasselbe Produkt.